Heimat
Kolumne

Reisende und das Heimatgefühl – Wo fühlen wir uns zu Hause?

Heimat, die: Land, Landesteil oder Ort, in dem man [geboren und] aufgewachsen ist oder sich durch ständigen Aufenthalt zu Hause fühlt (oft als gefühlsbetonter Ausdruck enger Verbundenheit gegenüber einer bestimmten Gegend).

Das sagt der Duden über das kleine, große Wort Heimat. Ein Begriff, der in seiner Geschichte oft missbraucht wurde und sich sehr schwer in andere Sprachen übersetzen lässt. Aber ist es wirklich so einfach? Was ist Heimat für Deutsche im 21. Jahrhundert und besonders für Reisende?

Egal welchen Ort der Welt man besucht, eine der ersten Fragen sowohl von Einheimischen als auch anderen Reisenden, wird immer die, nach der eigenen Herkunft sein. Wenn man sich zu diesem Zeitpunkt im Regelwald Borneos befindet, lässt sich die Frage für die meisten von uns schnell und unkompliziert beantworten. „Germany“ oder wahlweise „Austria“ oder „Switzerland“ genügen den meisten als Antwort. Aber was sagen wir, wenn jemand genauer nachfragt?

Als sogenannte Generation Y oder Z sind wir hochmobil. Viele von uns verbringen während der Schulzeit ein Highschooljahr in den USA, gehen nach dem Abitur als Au Pair ins Ausland oder machen während des Studiums ein Erasmussemester irgendwo in der Welt. Die wenigsten bleiben nach der Schulzeit exakt in dem Ort, wo sie aufgewachsen sind. Besonders Studierende ziehen meist in entfernte Großstädte oder auch andere Länder. Der beste Praktikumsplatz, das beste Volontariat oder der beste Einstiegsjob ist selten direkt jener um die Ecke und daher folgt in vielen Fällen der nächste Ortswechsel.

Wo fühlen wir uns also wirklich zu Hause? Ich habe bereits bei Stuttgart gelebt, in Wien, in Düsseldorf und in Köln. Dazu gab es viele mehrmonatige Aufenthalte in vielen weiteren Städten und Ländern. Auf die Frage „Woher kommst du?“ antworte ich daher meistens eher ausweichend. „Ich lebe derzeit in Köln.“ Das macht schnell klar, dass mein Aufenthaltsort für mich eher nur ein temporärer Zustand ist und mein Wohnort längst nicht immer mit einem Heimatgefühl gleichzusetzen ist.

Als Reisende kommt erschwerend hinzu, dass wir noch mehr in der Welt herumkommen und uns daher zusätzlich in viele entfernte Orte verlieben, die wir auch zukünftig in unserem Leben ungern missen möchten. Was ist also heute für gut ausgebildete und reisefreudige jüngere Menschen Heimat?

 

Home is where the heart is

 

Dieser leicht abgegriffene Slogan ist zumindest für mich Realität. Heimat ist in meinen Augen weniger ein bestimmter Ort als ein Gefühl. Heimat besteht aus vertrauten Dialekten, aus Gerüchen aus der Kindheit, aus alten Traditionen, aus nahestehenden Menschen, guten Freunden, Familie. Ich habe durch meine Reisen und meine Jobs Freunde auf der ganzen Welt, habe unterschiedliche Orte ins Herz geschlossen und fühle mich daher an vielen Plätzen der Welt zu Hause.

Ich kann mich bei einer Trekkingtour mit Gleichgesinnten in Patagonien mehr zu Hause fühlen als in der Kölner Innenstadt und trotzdem rührt mich eine schwäbisch oder wienerisch sprechende Mitarbeiterin in einer Versicherungshotline sehr. Heimweh habe ich hingegen noch nie gefühlt und ist für mich ein völlig abstrakter Begriff. Du siehst, das mit der Heimat ist so eine Sache.

Mein Heimatgefühl für einen bestimmten Ort wird vermutlich nie die gleiche Intensität erreichen wie jenes meiner Freunde, die nach der Schule nicht fortgegangen sind. Deren privates Umfeld sich auf die umliegenden Dörfer beschränkt und die ihre Heimat ganz klar räumlich definieren können und wollen. Aber ist das schlimm? Für mich nicht. Ich habe meine Heimat immer dabei und freue mich schon darauf, nach der Krise wieder herauszufinden, welche Menschen und welche schönen Ecken der Welt mich in Zukunft noch zu Hause fühlen lassen werden.

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